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Stories of Passion and Dedication

CARPASUS Portrait: Mirco Bösch

Mirco Bösch ist Brennmeister und Gastgeber bei der Mosterei Möhl. Mit einer feinen Nase, viel Leidenschaft und grossem Respekt für die Natur widmet er sich der Kunst des Destillierens. In enger Zusammenarbeit mit regionalen Bauern entstehen unter seiner Führung aussergewöhnliche Fruchtbrände, die die besonderen Charakter der regionalen Früchte einfangen.

Wir haben Mirco im MoMö-Museum getroffen und mit ihm über Genuss, Handwerk und seine Leidenschaft fürs Brennen gesprochen.

Welcher Gegenstand beschreibt dich und deine Arbeit am besten?

Für mich ist das Degustationsglas sehr wichtig, welches du in meinem Beruf eigentlich immer dabeihaben solltest. Es geht nicht darum, dass man viel trinkt. Aber man schmeckt daran, man degustiert, man beschreibt, was man riecht. Ohne das Degustieren könnten wir all unsere guten Produkte gar nicht herstellen. was wir tun.

Erzähl uns also mal, wer du bist und was du machst.

Mein Name ist Mirco, Mirco Bösch. Ich arbeite seit bald sieben Jahren bei der Mosterei Möhl in Arbon bei uns hier im MoMö. Ich bin einerseits Gastgeber des Hauses sowie Brennmeister. Zudem gebe ich diverse Kurse, Tastings und Workshops und bin auch für den Garten zuständig. Ich mache Führungen, bin ab und zu an einer Messe anzutreffen. So ein bisschen ein "Mädchen für alles".

Und du brennst fürs Schnappsbrennen, richtig?

Genau, meine Leidenschaft ist das Schnappsbrennen.

Wie hast du dir zu dieser Leidenschaft gefunden?

Ich war früher in der Hotellerie als Barkeeper tätig. Sprich, ich war immer umgeben von diversen Spirituosen, um Drinks zu mixen. Irgendwann habe ich begonnen mich noch näher dafür zu interessieren. Ich wollte mich weiterbilden und habe die Ausbildung zum Schweizer Spirituosen-Sommelier gemacht. Und dadurch habe ich die Leidenschaft entdeckt.

"Ein Destillat ist wie das Parfüm der Natur, welches man versucht in eine Flasche zu bringen."

Was bedeutet dir diese Leidenschaft?
Sehr viel. Denn für mich hat das Leben viel mit Geschmack und der Nase zu tun. Wenn man in dieser Hinsicht mit einer Aufmerksamkeit durchs Leben geht, ist es noch viel schöner. Das Geniessen ist ein ganz grosses Thema bei mir und dazu gehören auch gute Destillate. Für mich ist ein Destillat wie das Parfüm der Natur, welches man versucht in eine Flasche zu bringen, sodass möglichst viele Leute Freude daran haben können.

Und was treibt dich dabei an?

Immer noch besser und besser zu werden! Die Zusammenarbeit mit den Bauern, die Zusammenarbeit mit der Natur, um das Beste aus den schönen, tollen Früchten herauszuholen. Und da braucht es immer mehrere Faktoren dazu. Nicht nur mich in der Destille. Du musst wirklich gut mit den Bauern und der Natur zusammenarbeiten. Denn ein Destillat ist schlussendlich immer noch ein Naturprodukt. Das ist wirklich etwas Grossartiges!

Deine Arbeit beginnt also schon bei der Frucht oder beim Bauern selbst?

Genau. Denn ohne eine gute Frucht gibt es keinen guten Fruchtbrand. Das ist das A und das O. Du kannst aus etwas Schlechtem oder etwas Faulem meistens nichts Gutes produzieren. Also je besser die Früchte, desto besser wird auch das Destillat. Klar, letztendlich ist auch die Arbeit und das Know-How hinter dem Destillieren oder dem Einmaischen relevant. Aber es fängt immer mit den bestmöglichen Früchten an.

"Ein guter Schnaps darf nicht brennen."


Kannst du den Prozess von der Frucht bis zu den Flaschen beschreiben?

Normalerweise sieht es so aus, dass ich Anfang Sommer die Bauern besuche. Ich suche die Bauern, von denen ich die Früchte beziehe, sehr bewusst aus. Im besten Fall sind es Bauern aus der Region. Wir arbeiten mit vielen Bauern im Umkreis von 40 Kilometern Entfernung. Ich gehe also auf den Hof und rede mit dem Bauern. So lernt man sich ein bisschen kennen. Ich schaue, wie der Bauer arbeitet, welche Früchte er hat und wie die Bäume aussehen. Manchmal wählt man dann bereits gewisse Bäume oder gewisse Früchte aus – "Von dem Baum und von dem Baum" – im möglichst besten Reifezustand natürlich. Den Sommer über vertraut man auf den Bauer, dass er die ausgewählten Bäume sauber pflegt und dass das Wetter mitmacht, damit die Früchte auch möglichst gut reifen, möglichst viel Zucker, möglichst viele Aromen bilden. Dann werden die Früchte bestellt. Entweder bringt sie der Bauer selbst oder wir gehen sie holen. Dann werden sie gewogen, gewaschen, aussortiert.

Danach wird das Ganze "geräzt" – also zerkleinert und zu einem Brei, der sogenannten Maische, gemacht. Dann wird der pH-Wert gemessen, wenn nötig angesäuert und die geeignete Hefe dazu gegeben. Die sauber befüllten Fässer werden verschlossen und mit einem Gärspund versehen, angeschrieben und eingelagert. Dann hiesst es ca. 20-30 Tage warten. Nach dieser Zeit ist eine Maische bei optimalen Temperaturen und gutem Zustand durchgegoren.

Danach kommt die Destillation. Was dabei langsam aus den Schläuchen der Destille herausläuft, ist hochprozentig, zwischen 75 und 83 Volumen-Prozent im Normalfall. Und dann werden die Destillate bei uns in Stahlkannen oder Holzfässern eingelagert und warten auf die Abfüllung. Es wird der gewünschte Alkoholgrad eingestellt – der ist je nach Produkt ja unterschiedlich. Später wird abgefüllt, plombiert, etikettiert. Und dann ist es ready für den Verkauf.

"Wenn du in einen Apfel beisst und dieses Erlebnis in konzentrierter Form in der Flasche wiederfindest, das treibt mich an."

Was macht für dich ein gutes Destillat, einen guten Schnaps aus?

Ein guter Schnaps, darf nicht brennen. Man hat oft noch von früher die Vorstellung, dass ein Brand vom Mund bis ganz hinunter bis in den Magern brennt. Ein guter Schnaps tut das nicht! Er sollte aromatisch sein, ein gutes Mundgefühl haben, in der Nase schön duften und im besten Fall natürlich auch typisch sein.

Das heisst: Ein Fruchtbrand aus Wasserbirnen sollte nach Wasserbirne schmecken. Wäre ja komisch, wenn er nach Williams schmecken würde. Genau den Charakter der Frucht einzufangen, ohne viele Nebentöne, ohne grüne oder muffige Anklänge wegen unsauberen oder falsch eingemaischten Früchten, das ist das Ziel.

Was inspiriert dich beim Schnapsbrennen?

Das Aroma aus einer Frucht in dieser Form in die Flasche zu bringen, das macht einfach wahnsinnig Freude. Wirklich, wenn du in einen Apfel beisst und dieses Erlebnis in konzentrierter Form in der Flasche wiederfindest, das treibt mich an.

Gibt es eine Person oder ein Ereignis, das dich besonders auf dem Weg zum Schnapsbrenner geprägt hat?

Ich denke sicher mein Vorgänger, von dem ich das alles gelernt habe. Er hatte eine wahnsinnig gute Nase! Wenn er durch den Garten gelaufen ist, hat er überall etwas in die Finger genommen und mir vor die Nase gehalten mit dem Kommentar "Da musst du dran riechen!" Er ist ein wahnsinnig toller Mensch und hat mir sehr vieles beigebracht wofür ich ihm sehr dankbar bin.

"Und dann musst du bereit sein. [...] Es darum, die Früchte möglichst schnell zu verarbeiten "

Wie sieht eine typische Woche oder ein typischer Tag für dich aus, hier in deiner Tätigkeit?

Die Herbstsaison ist eigentlich die intensivste Zeit für uns. Im besten Fall ruft der Bauer am Tag vorher bereits an, um anzukündigen, dass er kommt. Das ist aber oft nicht der Fall. Manchmal klingelt das Telefon und es heisst "Ich bin in einer halben Stunde da und bringe dir zwei Tonnen Äpfel." Dann musst du bereit sein. Du nimmst die Äpfel entgegen und natürlich redest du noch ein bisschen mit dem Bauern, aber dann geht es darum, die Früchte möglichst schnell zu verarbeiten. Je länger die Früchte liegen, desto schlechter wird ihre Qualität..

Dann heisst es waschen, einmaischen, messen, sauber verarbeiten. Ansonsten haben wir immer genügend zu tun im Garten und haben oft Gäste, die wir im MoMö empfangen. Es ist wichtig, dass wir unsere Gäste und Kunden beraten. Ich möchte den gebrannten Schnaps ja verkaufen! Deshalb ist es wichtig, dass ich als Brenner mit den interessierten Kunden in Kontakt komme, etwas zu den Produkten erzähle und sie erkläre.

Gibt es Rituale oder Gewohnheiten, die dir helfen um motiviert und kreativ zu bleiben?

Ich stehe selten auf und bin nicht motiviert, um zu arbeiten. Ich bin einer, der gerne arbeiten geht. Ich hole mir Inspiration bei Reisen. Wenn ich an einem neuen Ort etwas Interessantes entdecke, motiviert es mich, etwas Neues auszuprobieren, eine neue Richtung einzuschlagen.

"Ich habe das Motto, wenn ich etwas Neues kaufe, muss auch etwas anderes weg."

Jetzt kommen wir noch auf Mode und Kleidung zu sprechen. Welchen Stellenwert haben sie für dich?

Ich mag qualitativ gute Kleidung - also einen guten Schuh, eine gute Jacke. Ich suche mir die schon sehr spezifisch aus. Meine Schuhe gehe ich vielleicht nur in dem einen Shop in Campton kaufen, in London. Dann weiss ich aber, dass die Schuhe auch ein Leben lang halten. Nachhaltigkeit bei der Mode ist mir sehr, sehr wichtig. Ich gehe nicht oft Kleidung einkaufen, sondern wirklich das, was ich brauche. Und ich habe das Motto, wenn ich etwas Neues kaufe, muss auch etwas anderes weg. Ich glaube jeder mag es, gut auszusehen. Gleichzeitig bin ich auch jemand, der sehr einfach ist und sich wirklich nicht darum kümmert, was andere von mir denken, wie ich herumlaufe. Ich kann auch gut mit einem zerfetzten T-Shirt oder einem verschnittenen Band-T-Shirt herumlaufen und mit irgendwelchen alten, verlotterten Hosen und den dreckigsten Vans vom letzten Openair. Das ist ein bisschen situativ.

Welche Werte im Umgang mit anderen Menschen oder der Umwelt findest du besonders wichtig?

Die Akzeptanz. Oder vielleicht eher die Toleranz. Also, dass man die Umwelt akzeptiert wie auch die Menschen. Es darf ja jeder manchmal etwas nach links oder rechts gehen. Aber grundsätzlich akzeptieren, was dein Gegenüber denkt und macht. Oder auch die Natur akzeptieren. So wie sie halt ist und auch sein darf. Aufeinander Acht geben. Tolerieren. Sorge tragen. Den Menschen wie auch der Umwelt. Das ist ganz, ganz wichtig. Und ja, vielleicht auch ein bisschen Weniger gegeneinander, sondern mehr miteinander. Sowohl mit der Natur, wie auch mit den Menschen. Mit der Natur zusammenarbeiten, nicht gegen die Natur arbeiten. Mit dem Menschen arbeiten, nicht gegen den Menschen arbeiten. Ich habe einige Schicksalsschläge hinter mir. Dadurch lernst du den Menschen und das Leben nochmals ganz neu kennen, schätzen und lernst den Moment mehr zu geniessen.

Das klingt nach einem guten Grundsatz. Noch die letzte Frage: Welche Pläne oder Träume hast du für die Zukunft?

Das eine ist natürlich gesund zu bleiben und dass die Familie gesund bleibt, das ist das Wichtigste. Auf der anderen Seite: Geniessen. Und zwar sowohl was das Essen oder Getränke anbelangt, aber natürlich auch die Natur, die Menschen, das Leben geniessen. Denn wenn man das nicht mehr hat, dann lohnt es sich wirklich nicht mehr. Bestenfalls kann man auch das Arbeiten geniessen. Aus jedem Moment das Beste herausholen. Genuss, Freude, Leben.

Danke vielmals für das Gespräch und für deine Antworten.

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CARPASUS Portraits

Unser Format CARPASUS Portraits präsentiert inspirierende, wagemutige, kreative, machende Menschen aus unserem Umfeld, die ihr letztes Hemd für ihre Leidenschaft geben. Wir besuchen sie in ihren Studios, Küchen, Ateliers, Büros und Werkstätten, unterhalten uns mit ihnen und portraitieren sie in ihren Lieblingskleidern von CARPASUS.

Fotos: Simon Costabiei